Chapter

Mein Freund Kaspar.

Draußen lag der dichte Schnee auf den Bergen und den dunkeln Dächern der kleinen rheinischen Stadt. In Scharen kamen die Vögel des Waldes, um in der Nähe menschlicher Wohnungen Schutz vor dem grausamen Hungertode zu suchen. In dem großen, von Mauern umgebenen Hofraum unseres Hauses hatte ich mir ein Futterplätzchen eingerichtet, und Spatzen, Rotkehlchen, Meisen warteten in den Frühstunden des Tages schon lange auf mich, um dann mein Erscheinen mit vielstimmigem Freudengezwitscher zu begrüßen, und täglich erhielt ich mehr Zuspruch; sogar die großen Krähen scheuten sich nicht, schwerfällig in den Hof zu fliegen, um auch ihr Teil zu erhalten. Es war ein kalter Januarmorgen, und lebhaft ging es auf meinem Futterplatze zu, wo wohl hundert eifrig pickende Vögel saßen, unbekümmert um meine, ihnen jetzt wohlbekannte Gegenwart; und ich sah ihnen lächelnd zu, als plötzlich alle gefiederten Gäste mit großem Geschrei aufstoben; eine fremde Erscheinung war in den Hof getreten. Vorwurfsvoll lärmend saßen die dick aufgepusteten Sperlinge in den entlaubten Zweigen der Obstbäume; sie, die unverschämten Bettler, hatten kein Mitgefühl für den Mann, der bleich, mit ernstem Gesicht vor mir stand; und er war doch ein Kamerad von ihnen; ich sah es ihm an, obgleich er kein Wort sprach; auch er verlangte Barmherzigkeit, auch ihn hungerte und fror. Es gibt Häuser, christliche Häuser, wo die sogenannten

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