1. Kapitel
Wenn man von dem Rätsellächeln der Asiaten spricht, von diesem Lächeln, das alles und nichts besagen kann: Mein Kamerad Gupa war Asiate, war sogar reinblütiger Mongole vom großen Volke der Chalcha, – aber sein Lächeln war so selten wie der Regen im Felsengewirr des Wadi Arabah, jenes Kalkplateaus mit den tiefen, breiten Talkerben, das nun meine neue Heimat geworden war. Wenn Gupa, ein Riese von ebenmäßigem Körperbau, überhaupt lächelte, verzog er den Mund nur zu einem spöttisch-geringschätzigen Bogen. Und als er damals über mein verwirrtes Gesicht lächelte, nachdem ich Wera Zubanoffs Brief gelesen hatte, empfand ich keinerlei Ärger über diese seine schlecht verhehlte Verachtung für zartere Gefühle, denn – er war Mongole, und die Frauen bedeuteten ihm nur Spielzeug oder Sklavin. – Der Morgen weckte mich in meiner kleinen Zelle. Zu den altgewohnten Störenfrieden des Klosters St. Antonius gehören die in den Felsklüften zahllos nistenden Raben. Diese schwarzen Gesellen vertreten hier die nützlicheren Herren einer Hühnerschar. Kein Hahnenschrei weckte mich: Rabengekrächz! Es war eine unruhige Nacht gewesen. Wera kommt ...! … Ich träumte von Fesseln, die meine Freiheit für immer beschwerten ... Ich hatte es verlernt, mich auf etwas zu freuen. Das war es. Nur das?! Oder hatte ich mich nicht vielmehr an diese schrankenlose Freiheit zu sehr gewöhnt?! Würde mir diese Frau nicht jenen Weg