Mein Berg
Heute bin ich mit der Aussaat meines Sommerkornes fertig geworden. Seit Langem habe ich mich nicht so geplagt. Ich musste ja diesmal die Egge selber ziehen. Meine gute Kuh kann ich jetzt nicht einspannen. Sie ist schwer trächtig und braucht mehr Schonung, als sie will. Es war ihr nicht recht, dass ich die Egge selber schleppte. Sie kam immer wieder von ihrem Weidegrund zu mir auf das Feld und brummte. Meinen großen Stier aber mag ich nicht plagen. Er lässt sich von mir willig lenken. Nur wird er so traurig und stumpf, wenn er arbeiten muss. In der Freiheit, die ich ihm gewähre, ist er lustig. Seiner Frische tut das ärgste Herumtollen nimmer so viel als die geringste Arbeit, zu der ich ihn zwinge. Ich zog die Egge wirklich lieber selbst, als dass ich das junge Tier quälte. Dabei fühle ich, dass einen gerade die niedrigste Arbeit, die man aus rechter Güte und Demut tut, am reinsten befriedigen kann. Am oberen Ende meines nun richtig bestellten Saatgefildes setzte ich mich nach vollbrachtem Werke auf einen Stein der hier beginnenden öden Halde. Von hier ist mein Besitztum zu übersehen. Die ganze hundertwinkelige Hochfläche des mächtigen Böhmerwaldberges gehört mir. Es ist ein von der Natur mit Mauern, Türmen, Wällen und Gräben wohlbefestigtes Stück Land. An allen Seiten steht das sollgebleichte, weiße Gestein als hohe, schroffe Küste vor dem schwarzen, auf hohen Bodenwellen