Mein Aufenthalt in der Nepomukskirche während der Belagerung der Reichsfestung Ziebingen
Je kleiner eine Reichsstadt, desto größer ist ihre Geheimnissucht, und ein ganz kleines Reichsdorf gesteht gar nicht einmal seine Existenz. Vielleicht glaubte auch Ziebingen – ein anderes Ziebingen als das im krossischen Kreise – wer sich zu spät beweglich (mobil) wider den Feind mache, werde leicht zu früh beweglich vor demselben und renne. Kurz, wäre Senat und Militär nicht so verschlossen gegen In- und Ausland gewesen wie die Jubelpforte in Rom, welche man nur an Jubeljahren aufmacht und sogleich zumauert: so hätt' ich von der bevorstehenden Belagerung etwas erfahren, eh' die Tore zugesperrt worden, und wäre fortgeritten; so aber wurde jeder Reisende mit einkaserniert, ohne etwas davon zu haben als diesen Aufsatz. Die schon aus öffentlichen Blättern bekannte Veranlassung war diese. Das Reichsstädtchen Diebsfehra – nicht das meißnische Dorf – besaß mit Ziebingen auf den Grenzen eine Gemeinhut, worauf beide ihre Gänse weiden durften. Unglücklicherweise fiel den 4. Mai ein so starker Hagel auf die Markung und Koppelhut-Aue, daß vierzig teils Gänse, teils Ganser erschlagen wurden, den Diebsfehraner Gänsehirten nicht einmal gerechnet, welchen der Blitz niederstreckte. Der Ziebingsche Gänsehirt ließ als Patriot alles Tote liegen und trieb so viel Lebendiges, wie sonst, nach der Festung. Diebsfehra, eine Stadt von mehr als anderthalb hundert Einwohnern, konnte eine solche