Erstes Buch
Zum zweiten Male rauschte der Vorhang nieder. Raubgierig stürzte sich das Orchester auf die Beute der Leidenschaft, in tragischem Epiloge heulte es die Motive der zarten und der wilden Liebe Manon Lescaut und ihren Figuranten nach. Dann wurde es hell, Salven brachen durch die Erstarrung, man drängte von den Plätzen, aus den Logen, wie um nur rascher diese brausenden Tränke kühner Passionen in die Limonade des Büfettes aufzulösen. Prinz Eduard stand an der Logentür, still schien er unter sich in den brodelnden Abgrund zu blicken, in dem die Menschen wogten, doch sah er sie kaum: gestaltlos brandeten Töne des Abenteuers durch sein Herz, wilder, als er sie eben in Pariser Formung vernommen, die Phantasmagorie von Freiheit und Schicksal, die immer in ihm auf und nieder stieg, wechselnd gegen die Ebbe seiner Gewohnheiten. Musik war ihm seit Knabentagen Aufruf in hellere Welt, und wenn vor ihm das Abenteuer lebendig wurde, schwieg sogar die Kritik dieses zarten Ohres, als ein willig naiver Zuschauer saß er vor dem Vorhang. Eine altkluge Mädchenstimme weckte ihn: »Warum opfert diese Manon den Dichter, wenn sie ihn doch liebt, und läßt ihn vom Offizier verhaften?« Die Stimme schlängelte sich an dem langen Vetter hinauf, mit lautem Fragezeichen endend; denn da er immer närrische Antworten gab, mußte er wohl viel wissen und noch mehr verschweigen. Eduard, aus der Sphäre seiner Seele in