Chapter

Der Ankömmling

Matthias Tedebus der Wandersmann Ein Roman Verlag Bruno Cassirer, Berlin 1913 Dem Maler Theodor Johannsen in Berlin dem lieben Freunde meines Werdens und Seins herzlich zugeeignet Der Zug schob sich pfeifend, immer langsamer, auf seinem stark gekrümmten Eisenwege bis an den offenen Bahnhofssteig heran. Da hielt die Lokomotive still, und die Wagen stießen noch die federnden Puffer auf einander, bevor sie der Bremse ganz gehorchten. »Tweetenhorn! Fünf Minuten Aufenthalt!« rief der Schaffner und riß eilfertig eine Menge Türen auf, als hätte die Tweetenhorner Grüne Gilde ihr Vogelschießen, wozu alle Welt vom Lande zwei Stunden ringsherum in die Stadt strömte. Des Schaffners Eifer lohnte sich indessen nicht recht. Wohl beugten sich zu den offenen Türen etliche biedere Gesichter hinaus, aber nur zwei Fahrgäste stiegen schließlich aus: ein altes Weiblein, das seufzend in den prallen Sonnenschein sah und mühselig ihre Trage, die sie vorher auf das Trittbrett niedergelassen hatte, huckepack nahm und davon humpelte, und dann ein junger, nicht eben groß gebauter Mensch von frischen Wangen, mit einem Wachstuchbündel auf dem Rücken und einem tüchtigen Wanderstock in der Hand. Er schaute ein paar Augenblicke, ohne etwas Bestimmtes zu suchen, lebhaft umher, stemmte den Stab kräftig in den Sand und verließ den Bahnhof. An der Pforte des Staketes, das seitwärts vom Bahngebäude den Steig von der

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