Chapter

Ein Morgen im Hause Overbeck

Rufen Sie meinen Sohn …« Herr Overbeck sagte es leise, gleichgültigen Tones, während ihm der Sekretär ein ganzes Bündel Geschäftspapiere unter den Händen vom Schreibtisch wegzog. Schon häufte ein zweiter Sekretär neue Korrespondenz vor ihm. Und zwischendurch hatte Herr Overbeck, seine spitze Nase in die Briefe steckend, dem alten Kammerdiener Christoph mit leiser, gleichgültig klingender Stimme befohlen: »Rufen Sie meinen Sohn...« Der alte Christoph verschwand ohne ein Wort. Er wußte, daß es nicht erlaubt und außerdem ganz nutzlos war, ungefragt ein Wort zu sprechen. Er war aus den Wohnzimmern herüber beordert worden, weil Herr Overbeck, mitten in der Erledigung der Frühpost, auf den elektrischen Klingelknopf getupft hatte, ganz nebenher, in der Gewohnheit, an viele Dinge gleichzeitig zu denken und viele Angelegenheiten gleichzeitig zu besorgen. Jetzt ging der alte Christoph, ein wenig steifbeinig, aber mit einer Würde, die zu groß, zu einfach und zu selbstverständlich schien, als daß sie sich feierlich betonen müßte, durch den Vorsaal. Er ahmte die Haltung des Herrn Overbeck nach, aber er wußte es nicht mehr, daß er seinen Herrn kopierte. Im Vorsaal warteten die Ressortchefs, die Prokuristen, die Direktoren der Firma Overbeck mit Schriften, Mappen und Büchern im Arm, um der Reihe nach vor dem Gebieter zu erscheinen. Der alte Christoph schritt mitten durch, ohne jemanden

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