Marška
Sie war ein armes, vernachlässigtes, herumgestoßenes Ding! – Marie war sie getauft worden. Die Leute hießen sie Marška, – ihre Mutter hatte sie Mařenka genannt. Seit langen Jahren hatte sie keine weitern Wünsche mehr gehabt, als nicht frieren müssen, nicht hungern, – nicht geprügelt werden! Aber sie konnte sich doch noch einer Zeit entsinnen, wo es anders gewesen war! ... Damals, als ihr Mütterchen noch gelebt hatte! ... Wie laue Frühlingswinde und lachende Sonnenstrahlen zog die Erinnerung durch ihre jungen Glieder. – Sie mußte sehr klein gewesen sein damals; denn das wußte sie genau, sie war sehr leicht müde geworden, und da hatte sie die Mutter auf den Arm genommen und getragen. Es war ein gar zu liebes Plätzchen für ihren kleinen Kopf zwischen dem Ohr und der Schulter der Mutter! – Und über die Schulter der Mutter hinüber sah sie in eine sonnige grüne, blühende Welt. Und dann, so nach und nach mitten im Schauen verschwamm die Welt, die Augen fielen ihr zu, und wenn sie aufwachte, lag sie im kühlen, grünen Gras, unter den weit vorgestreckten Zweigen eines Obstbaumes. Sie hätte sich gefürchtet, wenn sie nicht die Mutter erblickt hätte im Feld unten, und die Mutter rief ihr mitten aus der Arbeit aufmunternde Worte zu, oder kam sie auch herbei, brachte ihr ein Blümchen, ein Büschel roter Erdbeeren oder einen Kuß. Es war schön da zu sitzen im weichen grünen Gras. Manchmal