Chapter

Am Baldringerhof

In einer tannenschwarzen Höhenrunde ist ein waldfreier Hügel. Der hat eine hellgebleichte Granithaube. Und er trägt ein buntes Kleid, denn alle Feldfleckchen, die auf seinem sanften Gehänge aneinander gestückelt sind, zeigen jetzt ihre Sommerfarben. Vor der Morgenseite des Hügels liegt eine kleine Wiese. Die ist der urbare Teil des sonst wild bewaldeten Talgrundes. Hinten grenzt sie an das grobsteinige Ufer eines breiten Baches. Zwischen ihr und einem blühenden Flachsfelde steht auf einer Stufe des Hügels der Baldringerhof. Dieser hölzerne Bau hat wirklich keine ungeflickte Stelle. Aber die Elendigkeit seiner Wände ist schneeweiß übertüncht. Und seine Strohdächer verbirgt ein blütenreicher Pflanzenwuchs. Am heutigen Vormittag kam auf einem Eisenschimmel ein junger Mensch zu dem Baldringerhofe geritten. Den Schimmel halfterte er an einen Spreizbaum der alten Bauschaft. Dann ging er zu dem offenen Scheunentore. In der Scheune saß der alte Baldringer rittlings auf einer Schnitzbank. Der große, derbknochige Mann glättete einen beinahe schon vollendeten Holzschuh. »Ich heiße Egid von Liebrich«, stellte sich der Junge dem Alten vor. »Und ich möchte meinen neuen Gutsnachbarn, den Herrn Markus Baldringer, kennenlernen.« Der Alte stand auf und sagte: »Ich bin der Hans Baldringer, dem Markus sein Vetter. Der Markus ist nicht daheim. Er ist im Greanzalei drüben, dort tut er dem

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