I. Johannes van Melle
Die anbrechende Nacht kroch grau in grau über die Landschaft. Über der Weidenkoppel jenseits des Rheines lag ein schmaler, langgestreckter Streifen wächsernen Lichtes, der allmählich zusammenschrumpfte und an Helligkeit abnahm. Wie abgezirkelte Bälle standen die Schattenrisse der Kopfweiden am jenseitigen Ufer und ließen ihre Spiegelbilder von dem fahlbeleuchteten Rheinwasser verschlucken, das langsam und breit in seinem flachen Strombett vorübergurgelte. Scharfumgrenzte Lichter standen unbeweglich über der ziehenden Fläche. – Es war ein warmer Sommerabend. Knarrend holperte mein Gefährt über den mächtigen Stromdeich, dessen weitausgelegte Flanken das Wiesentief des Binnenlandes bei Überschwemmungsgefahr zu sichern hatten. Wie ein langgestrecktes Ungetüm und fast in schnurgerader Richtung lief diese massige Schutzwehr das Ufer entlang, um in eine kleine niederrheinische Stadt zu münden, deren verschwommene Turmsilhouette sich schon geraume Zeit vor meinen Blicken emporhob. Trotz der werdenden Nacht schwebte eine eigentümliche Dämmerhelle über Rhein und Flachland, die auch die ferner gelegenen Gegenstände deutlich vor Augen führte. Ab und zu tönte Hundegebell. Die große Stille verschlang es. – Eine nicht zu beherrschende Sehnsucht hatte mich in diese Gegend getrieben. Hier war heimischer Boden. Weiter stromaufwärts und in der Nähe der kleinen Stadt, die sich mittlerweile in ein