Drittes Buch
»Eine Frau führte Entwürfe aus, die eines Mannes würdig.« Diese Worte Friedrichs II. über Maria Theresia, welche eigentlich nur in Bezug auf ihre Bemühungen um die Reorganisation des Kriegswesens in den österreichischen Staaten gemeint waren, dürfen mit gutem Fug als Motto über den Abschnitt ihrer Geschichte gesetzt werden, in welchem sie, nach Beendigung des Erbfolgekrieges, von bedeutenden Männern unterstützt, die Nothwendigkeit durchgreifender Reformen einsah, um ihre Regierung innerlich zu befestigen und ihre Staaten zu ertüchtigen. Allerdings war hiebei die Aussicht auf einen Krieg vielleicht der nächstliegende Beweggrund. Davon nun abgesehen, ist es erquicklich, nach den Berichten über Kriegsoperationen, nach den Blicken auf soviel Zweideutigkeit und theilweise Perfidie, auf soviel unbegreiflichen und unverantwortlichen Leichtsinn und soviel nichtswürdige Verworfenheit, wie man dies in der europäischen Politik und an den meisten Höfen jener Zeit wahrnehmen mußte, – bei Marien Theresien eine Klarheit des Erkennens, eine Festigkeit des Strebens, eine Redlichkeit des Wollens zu beobachten, soweit dies Letztere nicht unter anerzogenen Vorurtheilen leiden mußte; ja um so erquicklicher, wenn man sieht, wie ein so gesunder Sinn, als ihn Maria Theresia besaß, sich selbst unter der Last solcher Vorurtheile hervorzuringen und aufzurichten bemühte. Man erinnere sich nur, unter