Sieben Marienlegenden
Die ganze Herrlichkeit der Tochter des Königs ist im Innern. Psalm 44, 14. Den Sünder umfaßt Maria mit mütterlicher Zärtlichkeit, hilft ihm und verläßt ihn nicht, bis sie ihn mit ihrem Sohne versöhnet hat. Der hl. Bonaventura. Im Jahre des Herrn 1696 starb ein armer Bauersmann, eigentlich nur ein Ziegenbauer, in seiner Hütte, die auf der Schattenseite eines Hanges gelegen war. Die Hütte war windschief, und der Wohnraum der Familie nicht viel größer als der Ziegenstall. Als dieser Bauersmann sterben mußte, da warf er vorher noch einen traurigen Blick auf Weib und Tochter. Er hatte immer gewußt, daß er arm war, aber daß er nun seinen Lieben nichts als Elend hinterlassen konnte, das tat ihm sehr weh, und er dachte bei sich: Ich habe nie etwas gehabt, und wenn ich nun fort bin, werden diese auch nichts haben. Mit der Schattenwiese und den paar Ziegen werden sie es auch zu nichts bringen. Ach Gott. – Weil nun aber der Bauersmann hierbei nicht murrte in seinem Herzen, sondern nur eben traurig war, darum schaute die Mutter Gottes unsern lieben Herrn für diesen Sterbenden bittend an. Sie brauchte da weiter nichts zu sagen, ihr Blick sagte alles, und um unsern Bauersmann wurde es plötzlich so licht, daß er sich gar nicht mehr auskannte, und war alles so leicht – ei, was nun! dachte er, lächelte und starb. Was denkst du, daß du so lustig bist? – fragte ihn sein Weib, aber bekam darauf