Erstes Kapitel
Ein klarer, tiefblauer, wolkenloser Himmel; eine fast ebenso tiefblaue, spiegelglatte See; ein nach Süden zu bergig aufsteigendes Küstenland, beleuchtet von einer glorreichen Sonne, die intensiv, unbarmherzig brennend herabstrahlt – das ist mit einem großen Zuge gezeichnet der Hintergrund zum Vorspiel des seltsamen Romans einer Perle. Die Gegend, die gemeint ist, liegt jenseits des Äquators, doch noch über dem südlichen Wendekreis an der Nordküste Australiens. Westlich vom Kap York, wo sich der große Ozean, durchsetzt von zahlreichen Korallen-Inseln, mit seiner ungeheuern Wasserfläche ausdehnt, wo im Nordwesten ein in blauem Duft verschwimmender Strich andeutet, wo Kaiser Wilhelms-Land zu suchen ist, kreuzt verstreut, begleitet von einem kleinen Schoner, eine seltsame Flotte: Das sind die Barken der Perlenfischer, die hier ihr gefahrvolles Gewerbe betreiben, hoffend, ach wie oft vergeblich, dem Ungeheuer Ozean die Schätze abzuringen, die sie unabhängig, frei, und manchmal auch reich machen können, wenn sie Glück haben. Gefährlich, mühevoll, entsagungsreich, beschwerlich ist das Gewerbe der Perlenfischer; man darf wohl sagen, daß sie Gott versuchen, so oft sie hinabtauchen in des Ozeans geheimnisvolle Tiefen, in die furchtbare, herzbeklemmende Totenstille des Meeresgrundes, der ja freilich auch eine Vegetation bietet, deren Abbildungen und Nachbildungen in Aquarien man nur mit