Prolog - Das Pferd und der Wind
Als der Erschaffende das Roß erschaffen wollte, sagte er zum Winde: »Von dir werde ich ein Wesen gebären lassen!« . . . Und er schuf das Pferd und rief ihm zu: »Dich habe ich gemacht ohnegleichen. Alle Schätze der Erde liegen zwischen deinen Augen. Auf der ganzen Erde sollst du glücklich sein und vorgezogen werden allen übrigen Geschöpfen; denn dir soll die Liebe werden des Herrn der Erde. Du sollst fliegen ohne Flügel und siegen ohne Schwert!« Arabische Sprüche. »Mannsräuschlin« nannten die Deutschen im 15. und 16. Jahrhundert gerne ein schönes Mädchen. Über die Pampa ist der Winter heraufgezogen. Gegen die Steinbockwende ist er auf feuchtkühlem Südost vom Atlantischen Meer herangefahren. Das verdorrte, in Staub und grauen Dunst unermeßlich hingebreitete und leergebrannte Gefild hat sein Kommen erwartet wie eh und je; wie in jedem Jahr liegt es im Sterben, wenn er kommt; und kein heiterer Baum, kein Blatt niedrigen Gesträuchs, das sich dem aufholenden Südost darböte. Dürres Gehalm rauscht; mannshohe Artischockendisteln, die wenig Wesens aus dem Leben machen; unfrohes Dorngestrüpp und stumpfe Kaktusse sind ans Ende ihrer hartnäckigen Zähigkeit gebracht. Dann naht in seinem Gefolge dunkles Gewölk, und der kristallene Himmel dunkelt ein. Eines Nachts löst das schwere Gebausch sich und entläßt rauschenden Regen, der viele Wochen lang, lau erst, dann immer kälter, ohne Unterlaß