Der Maibaum
Die Bauern tanzten. Mailiche Kirmes in einem mittelfränkischen Dörflein hatte zahlreiche Nachbarschaft angezogen. Aus dem Gewimmel auf der Festwiese starrte mit Kränzen und buntwehenden Bändern der Maibaum empor. Krambuden und Schaubuden umher, luftige Birkenlauben, Tische und Bänke für die Tafelnden, Kegelbahn, Rennbahn und Schießstätte mit dem Gerüst für farbige Holzvögel, nach denen die Pfeile schwirrten. Hinten aus Lattenzaun und Blütenwipfeln lugend die steilen Strohgiebel des Dorfes, und schwalbenumschossen der spitze Kirchturm, er allein mit neuen, brennroten Ziegeln gedeckt. Es war ziemlich schwül. Der Himmel, die Sonne leicht verschleiernd, spannte sich kreidig über die sanften Laubhänge des Steigerwaldes, die roten Äcker in der Talsohle, die Wiesmatten mit den Erlen und Kopfweiden am gewundenen Bach, und verlief in die beschränkte Ferne, die in flachen Wellen hintereinander zartgrün, zartblau das Tal westwärts beschloß. Die Pfeifen johlten, die Dudelsäcke quiekten, der Baß grunzte dumpfen Takt hinein. Die Musikanten saßen auf einer hölzernen Galerie im breiten Wipfel der alten Linde. Unten herum auf dem Bretterboden, der zur Glättung mit Leinsamen bestreut war, kreiste langsam schwankend der Tanzstrom, bald in gleichem Zug fließend, bald Wirbel an Wirbel hüpfend, je nachdem Ridewanz, Firlefey, Adelswank, Schwingenfurz, Hoppeldey, Firley oder sonst ein ländlicher Tanz