Der Nachlass eines Toten
Der Nachlaß eines Toten. Freund Patumengi, und hier trifft die Bezeichnung Freund zu, hob warnend die winzige sehnige Hand und deutete durch das Gestrüpp auf die offene Steppe hinaus, wo ein alter Bursche auf einem mageren Dromedar dahergetrabt kam. „Das ist er, Olaf …“ flüsterte der Zwergenhäuptling grinsend. Er hatte Grund zum besonderen Lächeln. Was da nahte, war ein Unikum, ein Original, eine Rarität. Ich hätte mir den Mann weit eher in die Gefilde Karl May’scher Indianerromantik hineingewünscht als hier in die Urwaldregion der südöstlichen Grenzgebiete Abessiniens. Ich nahm mein Fernglas und beäugte das Wunder. Also das war Peter Bolk, Eigentümer eines jämmerlichen Küstenfahrers, Deutscher von Geburt, längst verniggert, längst herabgesunken zum schnapsfrohen Dauergast elender Hafenspelunken, nebenbei – auch ein Freund Patumengis, den er regelmäßig alle drei Monate besuchte. … Ein hagerer greisenhafter Mensch mit einem ungepflegten weißen Patriarchenbart, mit einer dicken blauroten Nase im tiefgebräunten, tiefgekerbten fleischlosen Gesicht: Ein mit Haut und Haaren überzogener Totenkopf. Anzug?! … Ein längst ausgedienter blauer Jackenanzug mit goldenen Ankerknöpfen, ein Gummikragen, eine speckige schwarze Schleife, hohe Schaftstiefel, in denen die zerknüllten Hosen staken … Und doch … Selbst die Kapitänsmütze, mochte sie noch so verwittert sein, saß keck auf einem Ohr, und