Chapter

Vorwort

Mein Heimatdorf liegt irgendwo im lieben Bündnerlande friedlich eingebettet zwischen himmelhohen Bergen. Jeden Morgen, wenn ich der Sonne die Fenster öffnete, grüßten mich die vergoldeten weißen Häupter der rätischen Alpen. Andächtig sah ich dann wohl zu den stolzen Höhen empor, sah mit staunenden Kinderaugen, wie über den zackigen Firnen der goldene Sonnenball emporstieg und seinen Glanz wie einen schimmernden Schleier über weiße Hänge, dunkle Wälder, alte Burgen, ja über das ganze liebliche Tal hinwarf. Schön, wunderbar schön schien mir dann die Heimat; aber die Seele eines Menschenkindes ist voller Rätsel. Wenn man es am besten und am schönsten hat, erwacht die Sehnsucht nach etwas noch Besserem, etwas noch Schönerem. Und so kam es denn auch, daß immer dann, wenn Berg und Tal besonders herrlich vor mir lagen, ich wie aus endlosen Weiten ein seltsames Locken und Rufen zu hören glaubte. Bald schien der silberne Ton aus den weltfernen Bergen zu kommen, bald schien er aus den Tiefen meines Herzens zu klingen, bald trafen sich die Stimmen der Seele in sehnsuchtsvollem Zusammenklang, und dann rang es sich wie ein Gebet von meinen Lippen: »Wie grenzenlos schön muß es erst dort hinter jenen Bergen sein! Einmal, ein einziges Mal nur über die hohen Felsentürme weg in die Welt hinaus, ach, wer das doch könnte!« Und die Zeit kam, wo ich das wirklich konnte. Tief atmend ließ ich die

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