Maha Guru. Erster Theil
Maha Guru. Erster Theil. Geschichte eines Gottes. Von Carl Gutzkow Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta'sche Buchhandlung. 1833. Um Maunie Pämi Um! Mystische Sentenz des tibetanischen Cultus. Das Panorama einer wilden, zerrissenen Gegend liegt vor unsern Augen ausgebreitet. Wir befinden uns auf der großen tibetanischen Gebirgskette, welche die endlose, dem Reisenden noch immer unerforscht gebliebene asiatische Hochebene an das Dach der Himmelswölbung hinauf gefesselt hat. Das wechselnde Spiel der Wolken, welche die Häupter der ungeheuern Bergkolosse zuweilen umlagern, dann an ihnen vorüberstreifen, und die blauen Oeffnungen des beengten Horizontes verlegen, gewähren dennoch diesen einförmigen Gebirgsmassen den Reiz einer immer neuen Veränderung. So erblickt man neben den nacktesten Felsen, die in einen grauen Wolkenflor gehüllt sind, die üppigste Vegetation, die in demselben Moment dem Auge wieder verloren ist. Hier ein grüner Streifen, der sich um die Brust eines Felsen gelegt hat, ein dunkler Kranz von Fichten und Tannen, oder ein heller von Ahorn- und Weiden-Bäumen, und in demselben Augenblick ein weites, graues Nebelmeer, Alles bedeckend und dem Blicke entziehend. Nur Eines bleibt sich ewig gleich in dieser todten Abwechselung: das fürchterliche Gebrüll erzürnter, reißenden Waldströme. Wo sind sie? Das Auge sieht sie nicht, und nur das Ohr vernimmt dieß ewige, gleichförmige,