Was-Aufging
Es ging an einem Sonntag auf, gleich nach den Glocken.
Henri sah es von seiner Türschwelle und überquerte die Straße ohne seine Jacke, was er seit Jahren nicht getan hatte. Die Knospe hatte sich über Nacht gelockert und löste sich Blatt um Blatt, langsam wie eine sich öffnende Hand, und die Farbe darin war nicht eine Farbe, sondern viele, wechselnd, wie das Morgenlicht über sie hinwegzog — das Grau eines bestimmten Winterhimmels, das Gold einer Küche beim Abendessen, ein Grün, das unverkennbar das Grün eines einzigen, bestimmten Kleides war.
Die Leute traten vor ihre Türen. Madame Lacroix kam, und das junge Paar aus Nummer neun, und die Kinder, die man sonst von fremden Fenstern verscheuchte und die diesmal niemand verscheuchte. Sie standen auf dem Gehsteig der Rue Bertaut und blickten hinauf zu Adèles Fenster, wo die unmögliche Blume sich vollends öffnete, und das Seltsamste war, dass niemandem unbehaglich war. Eine Trauer, die keiner benennen konnte, hätte sie ängstigen müssen. Stattdessen merkten sie, dass sie nicht wegsehen konnten, so wie man nicht von einem Feuer wegsehen kann oder vom Lachen eines fremden Kindes.
Adèle kam an ihre Tür, die Hände noch nass von der Gießkanne.
"Was ist es?" fragte Madame Lacroix, und es lag keine Furcht darin, nur eine Art Hunger. "Keine von uns hat das je gezogen. Was ist es?"
Adèle blickte lange zu ihrem eigenen Fenster hinauf.
"Er