Eine Erzählung
Eine Erzählung Es war gegen das Ende des elften Jahrhunderts, als Philipp der Erste Frankreich beherrschte. Sein Hof war der glänzendste von Europa, und er selbst nannte sich den König der Könige. In gewisser Rücksicht mochte diese Benennung wahr sein, denn er war der üppigste und sittenloseste Monarch seiner Zeit. Das Beispiel, das er seinen Unterthanen gab, wirkte so mächtig, daß seine Residenz bald zu einem Sammelplätze aller Wollüste ausartete, daß die stillen Tugenden des Bürgers, Religion und Sittlichkeit verachtet, und nichts geschätzt wurde, als das Laster mit seinem blendenden Glanze. Der Geist der damaligen Zeit ertrug wohl Gewaltthätigkeiten, die der Stärkere an dem Schwachem ausübte, aber die entnervenden Laster der Ueppigkeit und der Wollust waren allgemein verabscheut. Man hing noch der Religion seiner Väter mit blinder Ergebung an, noch waren die Eide heilig, der Schwur der Ehe unverletzlich, und Keuschheit und Reinheit der Sitten war die Mitgabe, die der Sohn vom Vater, die blühende Jungfrau von der Mutter erhielt. Philipps Leben erregte daher allgemeinen Unwillen. Die Kirche bediente sich ihrer Macht, deren Anwendung wenigstens in diesem Falle wohlthätig war, und von dem päpstlichen Stuhle, auf welchem damals Urban der Zweite saß, fiel der Bannstrahl auf das Haupt des Königs. Benno war aus Flandern. Sein Vater, der in dieser Provinz ein kleines Gut besaß, hatte