Anna Mayala
In einem Dorf lebte Veri, ein schöner, junger Taglöhner, und sein Liebchen war das schönste Mädchen weit und breit, Anna Mayala mit Namen, aber arm. Die vielen Freier, die sich meldeten, machten beiden Leutchen vielen Kummer, doch siegte am Ende die Standhaftigkeit, und der Tag zur Hochzeit wurde bestimmt. Veri aber hatte von Natur etwas Wildes an sich. Er war so träumerisch und in sich versunken und sang gar oft gottlose Lieder von der Unterwelt. Davon hieß er der tolle Veri. Am Tag vor der Hochzeit ging er in den Wald, um Wild für das Fest zu erlegen. Mit einem prächtigen Rehbock auf dem Rücken war er auf dem Weg nach Hause. Doch seine Gedanken irrten wild umher, blieben nicht bei der Braut. Während er seinen wilden Träumen nachdachte, kam er an einen Steg. Schon leuchtete der Mond. Da ward er böse über sich, daß er sich verspätet und versäumt habe, den Vorabend seiner Hochzeit bei der Braut zu verbringen. Der Steg ging über ein helles, flaches Wasser, und der Mond spiegelte sich gar schön darin. Das zog ihn wieder ab. Es wehte ihn so wehmütig an. So legte er sein Ohr, sich niederkniend, auf die Wasserfläche, ob er nichts höre. Da vernahm er denn süßes Singen, je länger, desto schöner, je schöner, desto bezaubernder. Immer mehr neigte er das Ohr den wunderlieblichen Tönen, und er dachte, hinab zu sinken in die Fluten, wäre gar so süß. Da schaute er hinein in die dunkle Tiefe.