Chapter

1. Die Goldtür und die Pechtür

(Oberpfalz: Amberg.) Es war einmal eine Frau. Die hatte eine rechte Tochter und eine Stieftochter. Jedesmal, wenn neues Brot gebacken wurde, buk sie für ihre Tochter einen Kuchen mit; das Stiefkind aber bekam nichts. Doch als es einmal recht fleißig gearbeitet hatte, bat es die Mutter, ihm auch einen Kuchen zu backen. Und weil gerade die Mutter gut gelaunt war, erfüllte sie die Bitte und buk einen kleinen Kuchen mit. Voll Freude stellte das Kind seinen Kuchen zum Fenster hinaus, damit er draußen sich abkühle. Da kam ein Wind daher gefahren und nahm den Kuchen mit. Voller Angst lief das Kind dem Kuchen nach, weiter und immer weiter hinaus und zuletzt auch in den Wald. Hier verlor es aber den Kuchen aus den Augen und nun wollte es wieder heimgehen. Doch fand es keinen Weg und keinen Pfad, kam immer tiefer in den Wald und stand zuletzt vor einem Schloß. Das hatte zwei Türen, eine goldene und eine pechene. Das Mädchen bat um Einlaß. Da wurde es gefragt, zu welcher Tür es herein wolle. Es sagte: „Zur pechenen.“ Aber da wurde die goldene Tür aufgemacht und das Mädchen mußte zu ihr hereingehen. Im Schloß durfte es aus goldenen Schüsseln essen und Gold und Silber floß auf es herab. Dann ging es wieder heim, nachdem man ihm den Weg gezeigt hatte. Die Mutter war sehr erstaunt, als sie hörte, wie es der Stieftochter ergangen war. Schnell buk sie ihrem Töchterchen einen großen Kuchen und

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