Einleitung
Die Glocken von Poppi begannen das Weihnachtsfest einzuläuten. Mit ihren warmen, feierlichen Klängen riefen sie die Gläubigen zur Christmette. Von allen Nachbarglocken wurde die Einladung freudig beantwortet. Eine Glocke schien der andern zuzurufen: »Klinge mit mir. Es ist Weihnachten. Das Christkind ist geboren worden.« Alsbald begann wieder eine Glocke zu läuten, und noch eine, bis alle zusammen in der Runde erklangen. Die Glocken von Bibiena, von Magiena, von Camaldoli und von Picco della Verna, dazu noch die kleinen Glocken von den Kapellen. Es war ein wundersames Läuten und Klingen, das man überall in den Tälern und auf den Bergen vernahm. Zu Farneta, einer kleinen Ortschaft, die an der Bergstraße nach Camaldoli liegt, war um diese Stunde die Familie des Bauern Marucci vollzählig in der großen Küche am Kamin versammelt, in dem ein lustiges Feuer prasselte. Ja, dieser gemütliche Kaminwinkel mußte schon recht geräumig sein, um die zahlreiche Familie, groß und klein, aufnehmen zu können. Man saß hier, eng aneinandergeschmiegt, auf einer großen Rundbank, plaudernd unter der Riesenkappe des Kamins, während in einem mächtigen Kupferkessel, der an langer Eisenkette überm Feuer hing, die Kastanien kochten. Hier saß also am wärmsten Platz im Winkel die Großmutter Marucci, von Kindern und Kindeskindern umgeben, und weil man in der Toscana die Großmutter »Regina«, das heißt Königin,