Ein Mährchen
Ein Mährchen. Da die Königreiche noch klein waren und nicht größer werden wollten, lebten die Könige recht freundschaftlich mit einander; seit sie so groß geworden sind, und immer noch größer werden wollen, ist das freilich ganz anders, und man wird es mir kaum glauben, daß zwei Könige in Asien, die ich, weil ihre Titel, wie die der europäischen Könige, etwas zu lang sind, die Könige von Ix und Ypsilon nennen will, die herzlichsten Freunde waren; aber alle Nachrichten stimmen darin überein, daß sie nicht wohl ohne einander leben konnten, alle Vergnügungen gemeinschaftlich genossen und, um sich recht oft zu besuchen, zwei Lustschlösser an ihre Grenzen bauten, die in spätern Zeiten von ihren Nachfolgern in zwei Grenzvestungen verwandelt wurden, um sich einander von jedem Besuche recht nachdrücklich abzuhalten. Der König von Ix hatte einen Sohn, der hieß Bambu, und der König von Ypsilon hatte eine Tochter, die hieß Zoraide. Der Prinz Bambu war der schönste und tapferste Jüngling seiner Zeit. Sein nervigter und gewandter Körper war zu allen Uebungen stark und geschickt; er focht und turnirte wie ein alter Ritter, tummelte seinen Hengst wie der verwegenste Bereiter, überwand im Ringen und im Wettlauf Jeden, der es wagte, sich mit ihm zu messen, und die Jünglinge gestanden ein, der Prinz Bambu sei stärker und gewandter als sie Alle! Uebrigens war er ein recht ehrlicher Schlag von