Chapter

Erstes Kapitel

Manuela war ein ersehntes Kind, ein im voraus heiß geliebtes Kind. Manuela sollte geboren werden. Manuela sollte ein Mädchen sein. Ehe sie auf die Welt kam, stand ein Haus bereit. Ein schon ungeduldig werdender Vater. Eine Mutter, tief vertraut mit diesem Kinde, noch ehe sie es in den Armen hielt. Zwei Brüder waren gewisse Kameraden. Etwas gönnerisch, aber stolz auf sie – nun da sie wirklich da war. Manuela mußte am Sonntag geboren werden – es mußte auch Weihnachten sein. Als die beiden Brüder vom Weihnachtskindertheater heimkehrten, lag sie in der Wiege. Sie war angekommen wie ein Weihnachtsgeschenk. Die beiden Brüder wunderten sich nicht. Soeben hatten sie ja das Christkind in der Wiege liegen sehen, im Stall von Bethlehem. So, daß der fünfjährige Bertram zum zehnjährigen Alfred in einer Vorstellungsverwirrung meinte: »Tragen wir sie in den Stall, das wird ihr Spaß machen.« Nur der Einwand, daß weder Kühe noch ein Esel im Stall seien, sondern lauter Pferde, die es in Bethlehem gar nicht gab, ließ ihn von dem Vorhaben abstehen. Obwohl jeder sagte, das Kind sei schön, entsprach das nicht der Wahrheit. Denn die dunklen Augen, deren Weißes blau war, entbehrten der Augenbrauen. Man stülpte dem Säugling ein Häubchen auf, um die Kahlheit des Schädels zu decken. Ängstlich streichelte Frau Käte das haarlose Köpfchen, und als sich dann endlich einzelne seidige, dunkle Haare zeigten,

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