Chapter

Pipin der Kleine

Da wird wohl viel gesagt und gesungen von der schönen Jugendzeit. Wir wollen es gelten lassen, daß sie bald einem Frühling mit Blumen, Schmetterlingen und wolkenlosem Himmel, bald einem Morgen mit Sonnenglanz und Nachtigallensang verglichen wird. Aber ein altes Volkslied sagt auch: »Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht, er fiel auf die zarten Blaublümelein.« Diese Worte erinnern mich immer an die mancherlei kleinen Leiden und Schmerzen, denen auch die Jugendzeit ausgesetzt ist – die sich wie ein Reif auf ihre schönsten Blüten legen. Namentlich der Knabe weiß von diesen Leiden und Schmerzen zu erzählen, wenn er das Reifenspiel und den Papierdrachen mit der lateinischen und griechischen Grammatik, den Baukasten mit der Algebra und Geometrie, die Bleisoldaten mit den punischen und persischen Kriegen vertauscht hat, kurz, wenn er auf den Bänken des Gymnasiums sitzt und in die klassische Bildung eingeführt wird. Der Weg zu dieser klassischen Bildung ist für manchen mit Dornen bestreut, mit spitzen, stechenden Dornen. Da sitzt z. B. in der zweiten Bank der Untertertia – es ist eine alte, furchtbar zerschnittene und tintenbekleckste Bank, an der schon Generationen von Schülern »geschwitzt« haben – der kleine dicke Gottfried Hellermann; in Latein und Griechisch ist er ganz fix, auch einen guten deutschen Aufsatz schreibt er; aber Mathematik, Mathematik, die ist seine schwache Seite,

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