Kapitel 1
In dem Zimmer der Baronin Derenberg prasselt ein Holzfeuer im hohen Kamine und verleiht dem Gemach mit den alten geschweiften Meubeln etwas Trauliches, Anheimelndes. In einer der tiefen Fensternischen sitzt ein junges Mädchen von kaum vierzehn Jahren und schaut in das verglimmende Abendroth des kurzen Wintertages; ihr feines Profil zeichnet sich scharf ab gegen den hellen Hintergrund des Fensters. Sie hat die schmalen Hände in einander gefaltet, und ihre Gedanken wandern offenbar in die Ferne. »Mama,« sagte sie dann plötzlich und wendet den Kopf mit der blonden Lockenfülle der zarten, blassen Frau zu, die in einem Sessel am Kamine sitzt und strickt. »Mama, Army bleibt wieder unverantwortlich lange in Großmama’s Zimmer; wir werden nicht dazu kommen, in die Mühle zu gehen, und es ist doch schon die höchste Zeit; Army hat nur acht Tage Urlaub, und vier sind schon verstrichen. Heute hatte er mir’s ganz bestimmt versprochen, mitzukommen, – was soll nur Lieschen denken, daß er noch nicht einmal drunten war?« Das junge Mädchen war bei diesen Worten aufgestanden und hatte sich der Mutter genähert; ein Zug von Unmuth und Ungeduld lag aus dem kindlichen Gesichte. »Hab’ nur Geduld, Nelly!« erwiderte die Mutter, und streichelte die blühende Wange der Tochter. »Du weißt, wenn Großmama es wünscht, muß Army bleiben so lange sie will. Großmama wird ihm Mancherlei zu sagen haben. Uebe Dich in