Chapter

Erstes Kapitel. Das verirrte Kind im Wald.

Lorenz Linder, der Pächter eines kleinen Landgütchens zu Ellersee, war mit Anbruch der Morgenröte in den Wald gegangen und hatte den ganzen Tag hindurch Holz gefällt. Als die Sonne sich zum Untergang neigte, machte er sich, mit einem grossen Büschel Reisholz auf dem Rücken und mit seiner Axt über der Schulter, auf den Weg nach Hause. Da hörte er aus einem Dickicht des Waldes eine kläglich jammernde Stimme. »Ach«, sagte Lorenz voll Mitleids, »das ist ein Kind, das sich in dem Wald verirrt hat. Ich will es aufsuchen und auf den rechten Weg führen.« Er drang mit Mühe durch das verwachsene Gesträuch und kam auf einen grünen Platz, der rings von Schlehendornen und Haselstauden umgeben war und in dessen Mitte ein grosser Eichbaum stand. Unter dem Baum kniete ein holder, lieblicher Knabe von etwa sechs bis sieben Jahren. Der Knabe blickte mit seinen schönen, schwarzen Augen andächtig zum Himmel; die hellen Tränen flossen ihm über die rötlichen Wangen, und seine emporgehobenen Hände waren fest gefaltet. Er war sehr gut und zierlich gekleidet. Sein dunkelblauer Frack war von sehr feinem Tuch; alle übrigen Kleidungsstücke waren weiss wie Schnee. Reichliche schwarze Locken hingen ihm auf die Schultern herab; den Hals trug er bloss, und ein schön gestickter Halskragen vom feinsten Nesseltuch war über das dunkelblaue Kleid ausgebreitet. Der bekümmerte Kleine hatte übrigens weder Hut noch

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