Erstes Kapitel
Als die Pilger und die Kranken, die in dem dahinrollenden Zuge dicht gedrängt auf den harten Bänken des Wagens dritter Klasse saßen, das Ave maris Stella beendigten, das sie bei dem Verlassen des Orleansbahnhofs angestimmt hatten, sah Marie, die sich, von fieberhafter Ungeduld ergriffen, halb von ihrem Schmerzenslager aufgerichtet hatte, aus dem Fenster. »Ah, die Befestigungen!« rief sie trotz ihres Leidens in freudig erregtem Tone. »Wir sind jetzt aus Paris heraus, wir sind abgefahren!« Ihr gegenüber saß ihr Vater, Herr von Guersaint, und lächelte über die Freude seiner Tochter, während der Abbé Pierre Froment, der sie mit brüderlicher Zärtlichkeit betrachtete, sich in seiner liebevollen Besorgnis vergaß und ganz laut sagte: »Und von jetzt an noch bis morgen früh, denn wir werden erst um drei Uhr vierzig in Lourdes sein. Über zweiundzwanzig Stunden Fahrt!« Es war halb sechs Uhr; die Sonne ging soeben strahlend auf in der Klarheit eines wunderbaren Morgens. Es war ein Freitag, der 19. August. Aber schon kündigten am Horizonte kleine schwarze Wolken einen furchtbaren Tag gewitterschwangerer Hitze an. Und die Sonnenstrahlen fielen schräg durch die Abteile des Wagens und erfüllten sie mit goldigem, tanzenden Staube. Marie, die wieder in ihren Schmerz zurückgesunken war, murmelte: »Ja, zweiundzwanzig Stunden. Mein Gott! Wie lange ist das noch!« Ihr Vater half ihr, sich wieder in