Glück im Unglück
»Du wirst sehn,« sagte der Referendarius Emil Münter zu seiner Mutter, »daß mir gewiß wieder ein Unglück auf der Reise passirt.« »Wie kann man nur so abergläubisch sein!« versetzte die würdige Matrone, indem sie ihre eigenen Besorgnisse um das Schicksal ihres einzigen Sohnes unter einem milden Lächeln zu verbergen suchte. »Von Jugend auf,« klagte der junge Mann, »bin ich ein entschiedener Pechvogel gewesen. Schon als Kind fiel mir das Butterbrod immer auf die geschmierte Seite, so daß ich es nicht mehr essen konnte. Wenn andere Jungen dumme Streiche verübten, so bekam ich die Prügel dafür, und obgleich ich die besten Arbeiten machte, wurden mir andere Mitschüler vorgezogen. Ging ich einmal durch die Straßen, so war ich sicher, daß mir etwas Unangenehmes begegnete, entweder gerieth ich in ein Gedränge, aus dem ich mit zerrissenen Kleidern ohne meine Schuld nach Hause kam, oder ein Dachstein wartete so lange, bis ich vorüberzog, um mir auf den Kopf zu fallen. Und jetzt kann ich anfangen, was ich will, so habe ich nichts wie Aerger und Verdruß davon.« »Trotzdem,« tröstete die verwittwete Kanzleiräthin ihren Sohn, »ist Dir Alles noch immer zum Guten ausgeschlagen. Wenn Du auch kein Günstling des Glückes warst, so hast Du es doch so weit und weiter gebracht, wie Deine vom Schicksal mehr begünstigten Collegen. Auf der Universität hast Du Freunde und Gönner gefunden, welche Dich nach