Unser Kirchspiel - Der Kirchspieldiener - Die Feuerspritze - Der Schulmeister
Wieviel sagen die kurzen Worte: »Das Kirchspiel!« und an wieviel Kummer und Elend, entschwundenes Glück und vereitelte Hoffnungen, nur zu oft ungemilderte Leiden, nur zu oft erfolgreiche Büberei erinnern sie! Ein armer Mann bringt es, bei geringem Verdienst und einer großen Familie, gerade so weit, aus der Hand in den Mund und aus einem Tage in den andern zu leben; nur mit Mühe gelingt es ihm, den Bedürfnissen des Augenblicks zuvorzukommen – an die Zukunft kann er nicht denken. Er bleibt mit seinen Steuern ein, zwei, drei Vierteljahre im Rückstand; er wird vor das Kirchspiel geladen. Seine Habseligkeiten werden verkauft, seine Kinder weinen vor Hunger und Kälte, selbst das Bett wird ihm genommen, in dem sein krankes Weib liegt. Was kann er anfangen? Wohin soll er sich um Hilfe wenden? An die Wohltätigkeit der Privaten? An menschenfreundliche Individuen? Beileibe nicht – wofür wäre sein Kirchspiel? Da sind der Kirchspielvorstand, das Kirchspielkrankenhaus, der Kirchspielarzt, die Kirchspielbeamten, der Kirchspielbote. Treffliche Einrichtungen und edle, gutherzige Leute! Die Frau stirbt – sie wird auf Kosten des Kirchspiels begraben. Die Kinder sind ohne Versorger – das Kirchspiel übernimmt die Fürsorge für sie. Der Vater vernachlässigt zuerst sein Geschäft und kann späterhin keine Arbeit mehr bekommen – das Kirchspiel unterstützt ihn; und ist er endlich durch Elend und