Lockvögelchen
Ich mochte in meine alte Studentenbude nicht wieder einziehn, denn meine letzte Wirtin war eine alte Hexe gewesen, mit der kein leichtes Auskommen war. Sie glaubte, ihre Polstersessel seien nur zum ansehn da, und schnitt ein scheeles Gesicht, wenn sie einen dabei betraf, daß man es sich darauf behaglich machte. Jeder Besuch aber war ihr ein Greuel. Ich zog also bei Beginn des neuen Semesters wieder einmal suchend von Haus zu Haus, aber nichts paßte mir. Überall war etwas auszusetzen. Ich war schon ganz mürbe, und entschlossen, das erste was nur einigermaßen sich bot, einfach zu nehmen, um der elenden Sucherei ein Ende zu machen. Es war ein schwüler Tag, und ich war todmüde vom Herumlaufen auf dem heißen Asphalt. Da kam ich gegen abend in eine stille Querstraße und in ein altes Haus, und wollte eigentlich gleich wegen der engen und dunklen Treppen wieder kehrt machen, als ich schließlich, da ich nun schon mal im Hausflur war, doch hinaufstieg, um das auf dem Zettel als »sehr hübsch« gerühmte Zimmer mir anzusehn. Eine würdige Dame mit einer Stahlbrille öffnete und zeigte mir das Zimmer. Ich blieb auf der Schwelle stehen und warf einen flüchtigen Blick hinein, indem ich fragte, was das Gelaß kosten solle. Aber darauf antwortete die Frau nicht sofort, sondern rühmte begeistert die Stille des Gemachs, die hübsche Aussicht, von der ich nichts entdecken konnte, die bequemen