Die-Verriegelte-Werkstatt
Der Wachtmeister wollte nicht allein hineingehen, und so fiel es Imogen zu, die Tür ihres Großonkels aufzubrechen.
Erst im vergangenen Frühjahr hatte sie ihm den Werkstattschlüssel abgebettelt und nie gebraucht; Silas Hadley traute keinem Schloss außer der Sorte, die er mit geschlossenen Augen zerlegen konnte, und die Tür seines Ladens in der Carrow-Gasse war von innen durch einen eisernen Fallriegel gesperrt, den er selbst geschmiedet hatte. Es brauchte zwei Männer und ein Brecheisen. Der Riegel fiel mit einem Geräusch wie ein fallengelassener Löffel auf die Dielen, und dann war da nur noch der Geruch — kaltes Lötzinn, Maschinenöl und darunter etwas, das das Gesicht des Wachtmeisters sich weigerte zu benennen.
Silas saß in seinem Sessel an der langen Werkbank, den Kopf zurückgelehnt, die Augen geschlossen, als hätte er sie nur zugemacht, um besser zu lauschen. Eine Woche vor seinem siebzigsten Geburtstag war er, hatte zwei Frauen und einen Sohn begraben, und Imogen hatte ihn so hilflos geliebt, wie man das Letzte seines Blutes liebt. Sie weinte noch nicht. Sie sah die Uhren an.
Jede Wand der Werkstatt trug sie — Reiseuhren, Standuhren, ein messingnes Schiffschronometer, eine Kuckucksuhr mit halb offenem Türchen — und Silas pflegte jede einzelne, als wäre sie ein verwundeter Vogel, sodass der Laden an jedem gewöhnlichen Tag ein einziges sanftes Donnern des Tickens war. Jetzt