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Vorwort

Als ich vor Jahren auf der Landstraße und in Herbergen leben mußte, hörte ich Lieder von seltsamem Klang. Gewiß, alte Volksund Wanderlieder wurden auch gesungen. Aber die echten »duften Kunden«, die gewohnheitsmäßigen Landstreicher, sangen andere Weisen. Wenn der verzweifeltste Galgenhumor sie überkam, wenn ihr Elend sie fast erstickte – oder wenn es ihnen unerwartet üppig, üppig in ihrer erbärmlichen, dürftigen Art, erging, dann brach das heraus, was ihr Leben erfüllte und darstellte. Wie so viele meiner wandernden Genossen schrieb ich mir diese Lieder auf. Es ward der erste Stamm meiner Sammlung. Viele dieser Lieder waren trocken und hölzern, aber andere waren mit so echter Empfindung gefüllt, sprühten so voll ungefälschten Erlebnisses, daß ihre Mängel weit von ihren Vorzügen übertroffen wurden. Diese Lieder sind eine treffliche Illustration zum poetischen Schaffen des Volkes. Sie zeigen, wie das Volk mit dem gegebenen Text eines Gesanges sich nicht begnügt, wie es so ein Lied erst durch die Einfügung seines eigenen Lebensinhaltes für sich gewinnt und für sich lebensfähig macht. Das Volk benutzt irgend eine singbare, weitverbreitete Melodie und macht sich seinen eigenen Text dazu. Und dabei ist es meist ehrlich rücksichtslos gegen sich selbst. Seine Texte gleichen häufig Spottliedern. Es sind Spottlieder gegen übergroße Sentimentalität, Spottlieder gegen die einem urwüchsigen

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