Liebeswerben
Es war in den hellen Frühlingstagen, als sich am Rhein zwei Schul- und Universitätsfreunde wieder fanden. – Ein großer Saal, der die Aussicht nach dem Fluß und den gegenüberliegenden Bergen hatte, nahm sie auf; saßen die Gäste dem Fenster nahe, so konnten sie auch die Landstraße, die sich diesseits um Hügel und Felsen wand, beobachten. Man erwartete den Vorüberflug des Dampfschiffes, weil der ältere Freund Lindhorst sich eine Zusammenkunft mit einem Bekannten hier gegeben hatte. Und wie ist es mit Dir, Freund Amsel, fing der ältere jetzt an, nachdem sie sich lange umarmt und dann gegenseitig betrachtet hatten, wie ist es Dir seitdem ergangen? »Wie mittelmäßigen Söhnen dieser Erde«, antwortete dieser, um mit Freund Güldenstern zu sprechen, mit dem ich überhaupt wohl einige Aehnlichkeit haben mag; ich möchte auch wie dieser einen Prinzen finden, der mich beschützte, einen König, der mich brauchen könnte. So ein Liebling irgend eines Mächtigen seyn, darnach sehnt sich seit lange mein jugendlich aufstrebendes Gemüth. Lindhorst sagte lachend: Junger Amselvogel, Du hast vergessen, wie elend es diesem Güldenstern und Rosenkranz erging. Weil sie sich, erwiederte Amsel, zwischen zwei Stühle niedersetzten. Sie dienten dem Könige zu eifrig und also ungeschickt. Ihr befreundeter Prinz konnte ihnen freilich auch nur wenig nützen, doch hätten sie es durch Unhöflichkeit und Zudringen nicht