Erster Teil
Nachdem es eine Woche lang heftig gestürmt, geregnet, geschneit hatte, erschienen die Gipfel der Berge ganz weiß zwischen den dunkeln Wolken, die sich nun nach dem Horizont hin verzogen, und Oronou mit seinen roten, auf der grauen Kuppe hoher Granitfelsen erbauten Häuschen, mit seinen steilen und steinigen Gassen nahm sich in dem weiten Landschaftsbilde aus, als sei das Dörfchen mit genauer Not einer Sintflut entgangen. Ihm zu Füßen stürzten Wildbäche tosend zu Tal, und in der Ferne, in der Ebene von Siniscola, glitzerten die Sümpfe und ausgetretenen Flußläufe unter den Strahlen der aus dem Meer auftauchenden Sonne. Das ganze Gelände, von den Bergen bis zur Küste, von der dunkeln Linie der Hochebene über Oronou bis zum Buschwald auf der Talsohle, schien gleichsam von Wasser zu triefen. Das Dörfchen aber lag trocken auf seiner Höhe, und die Alten und Müßiggänger nahmen wieder ihre Plätze auf den Bänken auf dem Rathausplatze ein, der gleich einer großen Terrasse das Tal überragte. Drei rote Gebäude, das Rathaus, das Pfarrhaus und das Haus einer reichen Bäuerin, alle drei mit vergitterten Fenstern im Erdgeschoß und Balkonen mit eisernem Geländer in den oberen Stockwerken, erhoben sich im Hintergrunde des Platzes. Aus dem letzten dieser Häuser, vor dem sich, wie vor einem Nuragh, ein Patiu befand, d. i. eine kleine, halbkreisförmige, von einer ohne Mörtel gefügten rohen Mauer