Lichtspiel und Leben
Die Abendglocken läuten. Der Himmel steht in roter Pracht. Alt und jung ist von den Feldern heimgekehrt, das Vieh eingetrieben, Ruhe senkt sich aufs Dorf herab. Ein einsamer Motorfahrer pufft zwischen den niedrigen, weit verstreuten, strohüberdachten Häusern hindurch die Landstraße hinunter und zeigt, daß auch in dies entlegene Winkelchen schon neueste Kultur gedrungen ist, sonst schläft alles noch seinen Dornröschenschlaf wie vor hundert Jahren, sonst … Nein: vor dem Wirtshaus zur Post stauen sich die Leute. Etwas Ungewöhnliches scheint dort vorzugehen. Wird heute abend ein Fest gefeiert? Oder ist vielleicht Wahlversammlung? Der Einheimische weiß es besser. Allabendlich drängen sich die Bewohner des Örtchens dort, und der behäbige Postwirt schmunzelt. Seit die Eisenbahn die Nachbarstädte direkt verbindet und das Dorf von dem Verkehr, der es in der früheren Postkutschenzeit berührte, ausgeschaltet ist – das geschah schon zur Zeit seines Vaters –, ist das Geschäft immer stiller geworden. Hin und wieder verirrte sich wohl einmal ein Geschäftsreisender in das entlegene Dorf, der eine Nacht in der Post übernachtete, oder der Viehhändler hielt mit seinem Wägelchen vor der Treppe, sonst waren es nur der Sonntagstanz, der Honoratiorenstammtisch und eine oder die andere Skatpartie, die den Betrieb aufrechterhielten. Seit aber der Postwirt seinen Tanzsaal als Kino eingerichtet hat, ist