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Vorwort von Egon Friedell

Essays und Aphorismen über Philosophie und die Naturgeschichte der Seele, Gelehrte und Schriftsteller, Theater und Politik Ausgewählt und mit einem Vorwort von Egon Friedell In der Ausnützung ihrer heimischen Literaturprodukte sind uns die Franzosen und Engländer unbedingt voraus. Es herrscht dort ein ganz anderes, viel regulierteres Verhältnis zwischen dem Schriftsteller und dem konsumierenden Publikum. Nichts bleibt unausgewertet, keine geistige Energie bleibt latent liegen, sondern sie wird allsogleich in neue Energieformen: in nationale, ästhetische, ethische, kulturelle Bewegungen umgewandelt. Die Gesellschaft hält das ganze Arbeitskapital ihrer geistigen Kapazitäten unter steter Beobachtung und sucht es sich so intensiv wie möglich zunutze zu machen. Diese beiden Länder haben einen viel größeren Verbrauch an Klassikern, als dies bei uns der Fall ist. Nicht als ob dort mehr bedeutende Köpfe hervorgebracht würden – es wäre viel leichter, das Gegenteil zu beweisen –, sondern es werden dort sozusagen viel mehr Genies »emissioniert«. Hat in Deutschland jemand etwas zu sagen, was eine neue Bedeutung enthält, so entwickelt sich sogleich im Publikum Mißtrauen in zweifacher Richtung; zunächst: ob dies nicht etwa schon ein anderer vor ihm gesagt habe, und sodann: ob es nicht etwa eine bloße Absurdität sei, ob die neue Wahrheit oder Tatsache nicht Widersprüche, Ungereimtheiten,

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