Leyer und Schwert
Noch nie war das Burgtheater in Wien so gedrängt voll gewesen, als bei der ersten Aufführung des neuen Trauerspiels „Zriny“ von Theodor Körner. Die Jugend des Dichters, die Wahl des Stoffes und die vortreffliche Besetzung hatten ein überaus zahlreiches Publicum herbeigelockt, das mit gespannter Erwartung dem Beginn der Vorstellung entgegensah. Das Parquet war zum großen Theil von den anwesenden Ungarn eingenommen, deren nationaler Held in dem Stücke gefeiert werden sollte. In den Logen saß die Elite der Wiener Gesellschaft, die hochgestellte Aristokratie und die reiche Finanzwelt. Neben der liebenswürdigen Frau von Pereira bemerkte man den preußischen Gesandten, Wilhelm von Humboldt, der, ein Freund von Körner’s Vater, ein ganz besonderes Interesse an dem Erfolge dieser ersten Aufführung nahm. Der Dichter selbst befand sich hinter den Coulissen, wo er noch einige nöthige Anordnungen zu treffen hatte, obgleich schon mehrere kleine Stücke von ihm auf der Bühne mit großem Beifalle gegeben waren, so konnte er sich doch einer gewissen Aufregung nicht erwehren, die sich in seinen hastigen Bewegungen und in dem stärkeren Pochen seines Herzens bekundete. Es ist ein eigenthümliches Gefühl, das wohl jeden dramatischen Schriftsteller bei einer ersten Aufführung zu ergreifen pflegt. Die größte Aehnlichkeit hat diese Empfindung mit der des Spielers, welcher eine hohe Summe auf eine Karte