Chapter

An das Baby

Kurt Tucholsky LERNE LACHEN OHNE ZU WEINEN 1932 Ernst Rowohlt Verlag, Berlin DEM ANDENKEN JAKOPPS Sie sah, daß die Menschen dieser Welt in einem Panzer von Eigenliebe einhergingen, trunken von eitler Selbstbetrachtung, nach Schmeichelein dürstend, kaum hörend, was zu ihnen gesprochen wurde, ungerührt von den Unglücksfällen, die ihre nächsten Freunde befielen, in steter Furcht vor allen Bitten um Hilfe, die ihren langgewohnten Umgang mit den eignen Begierden hätten unterbrechen können. Solcherart waren die Kinder Adams von China bis nach Peru. Thornton Wilder, Die Brücke von San Luis Rey An das Baby Alle stehn um dich herum: Photograph und Mutti und ein Kasten, schwarz und stumm, Felix, Tante Putti … Sie wackeln mit dem Schlüsselbund, fröhlich quietscht ein Gummihund. „Baby, lach mal!" ruft Mama. „Guck", ruft Tante, „eiala!" Aber du, mein kleiner Mann, siehst dir die Gesellschaft an … Na, und dann – was meinste? Weinste. Später stehn um dich herum Vaterland und Fahnen; Kirche, Ministerium, Welsche und Germanen. Jeder stiert nur unverwandt auf das eigne kleine Land. Jeder kräht auf seinem Mist, weiß genau, was Wahrheit ist. Aber du, mein guter Mann, siehst dir die Gesellschaft an … Na, und dann – was machste? Lachste. Es unterhielten sich ein Katholik und ein Jude über religiöse Fragen. „Eins verstehe ich nicht", sagte der Katholik. „Wie kann man als gebildeter Mensch

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