Chapter

Leontine

Den ganzen Tag über hatte der fröhlichste Tumult in dem kleinen Städtchen geherrscht, das wir Neustadt nennen wollen; denn die drey Sternchen, die in Erzählungen an die Stelle von Orten zu treten pflegen, die man nicht bezeichnen will, sind immer, besonders aber beym Vorlesen, verdrießlich, und überdem trifft man überall in Deutschland auf Orte, die noch von alten Zeiten her diesen Nahmen führen, obgleich sie jetzt zum Theil alt und räucherig genug anzusehen sind.« In Neustadt also, war vom frühen Morgen an alles auf den Beinen gewesen, um sich zum Empfange der aus einem Brunnenorte rückkehrenden Landesmutter vorzubereiten. Weder die Gesundheit, noch die Neigung der hohen Frau eigneten sich dazu, sie nach Art anderer Fürsten auf der Chaussee mit den Vögeln am Himmel um die Wette fliegen zu lassen; sie unternahm nur ganz kurze Tagreisen, und in dem Ländchen, das schon seit mehr als dreyßig Jahren unter dem milden Zepter ihres Gemahls sich sehr wohl befand, kam dadurch jetzt manch kleiner Ort zu dem nie gehofften Glücke, sich auf einige Stunden der Residenz gleichstellen zu dürfen, und sowohl seine Poeten, als seinen Geschmack in Anordnung sinnreicher Feste, vor fürstlichen Augen leuchten zu lassen. Auch in Neustadt hatte es weder an Ehrenpforten, an weiß gekleideten Jungfrauen, noch an dem ganzen, beym Empfange solcher hohen Gäste, gebräuchlichen Apparat gefehlt, den man immer

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