Innen Laut
Manchmal, wenn jemand die Tür öffnet, wird meine Stimme ganz klein.
Der Jemand kann Tante Hannah sein, die ich liebe. Oder die Frau, die Pakete bringt, die ich auch liebe. Oder einer von Papas Freunden, den ich erst zweimal getroffen habe.
Der Jemand sagt: „Hallo! Wie geht es dir?"
Und ich — ich, die im Bad SO LAUT rufen kann — werde sehr, sehr still.
Die Leute sagen, ich sei schüchtern. Sie sagen es so, wie man sagt: „Es regnet." Einfach, um es zu benennen.
Was sie nicht sehen: Ich bin innen drin nicht leer. Ich bin innen drin laut. Mein Herz macht BUM-BUM-BUM. In meinem Kopf sind viele Sachen. Ich kriege sie nur nicht zur Haustür hinaus.
Es ist wie ein leises Gewitter. Innen hell. Außen nur ein leises Grollen.
Mama sagt, das ist okay. Sie sagt, manche Menschen reden zuerst und fühlen später, und manche fühlen zuerst und reden später, und beides sind ganz normale Sorten Mensch.
Ich bin die zweite Sorte.
Nach einer Weile — manchmal nach langer Weile — kommen die Worte heraus. Es sind meistens gute Worte. Sie hatten Zeit zum Nachdenken.
Ich bin nicht schüchtern. Ich sammle nur noch.