Erstes Kapitel
Wer im Waggon von Lemberg nach Czernowitz dahinfährt, mag leicht versucht sein, Ostgalizien für menschenärmer zu halten, als es ist. Meilenweit öde Heide oder dürftiger Ackerboden, einige Hütten in der Ferne, aber selten ein großes Dorf. Anderwärts kann der Reisende oft aus der Lage der Hütten, der Form der Gärten erkennen, wie gewalttätig die Bahnlinie hindurchgeführt worden. Hier ist dies wohl nur an einer Stelle so: wo das Dampfroß von Halicz weg, dem uralten Flecken, der dem Land den Namen gegeben hat, weiter gegen Südost eilt und die Gemarkung des Dorfes Winkowce berührt. Da sieht man zur Rechten einen stattlichen Bauernhof, schief zur Bahn gestellt, zur Linken den großen Obstgarten. Hier hat der eiserne Strang ein blühendes Anwesen entzweigeschnitten. Der Besitzer jenes Hofs war ein ruthenischer Bauer und hieß Janko Wygoda. Das ist eigentlich ein komischer Name: »Hans Bequemlichkeit«, aber er wird keinem Landeskind so erscheinen, schon weil er überaus häufig ist. Wer das Geschick dieser armen Menschen erwägt, könnte glauben, daß dies eine Art Notbehelf ist, damit man unter ihnen doch wenigstens etwas finde, was an Wohlleben erinnert. Aber Wygoda heißt auch ein die Straße kürzender Feldweg, dessen Benutzung den Nachbarn gestattet wird; der Name haftete am Grundstück und ging, als Kaiser Josef die Familiennamen einführte, auf den Besitzer über. Freilich heißen heute, bei