Lehrzeit
Bis zu dem Tag, da Martin Moserosch, mein Verlobter, zum Pfarrer von Andersberg ernannt wurde, wußte ich nicht, daß es im Schwarzwald ein Oertchen dieses Namens gebe. Von Stund an aber zogen meine Gedanken oft den Weg über ferne, grüne Berge hin. Ich sah dann im Geiste ein stattliches Pfarrhaus im Sonnenlicht liegen, sah helle Fenster, weitläufige Gänge und große, luftige Zimmer. Denn Martin erzählte mir, das Pfarrhaus sei früher ein Freiherrlich von Wengernsches Schloß gewesen. Vier Wochen vor unsrer Hochzeit, an einem Tag im Mai, sagte mein Verlobter zu mir: »Martha, es wird Zeit, daß wir unser zukünftiges Heim ansehen. Um fünf Uhr in der Frühe geht am Sonntag ein Zug, der uns nach Altheim bringt; von dort sind's drei Wegstunden durch den Wald nach Andersberg.« Meine Tante, bei der ich lebte, rief vom Fensterplatz her: »Drei Stunden gehen, das kann ich nicht, Martin. Mit dem besten Willen nicht. Ein Fuhrwerk aber, das trägt's nicht bei armen Pfarrersleuten, wie ihr zwei vorläufig sein werdet. Und daß ich auch noch diese Kosten trage –!« Ich sah Martin an, neugierig, was er darauf sagen würde. Aber er rückte nur unruhig an seiner Brille und war im Gesicht etwas röter als sonst. Das verdroß mich, ich weiß nicht recht warum. »Tante Elisabeth,« sagte ich rasch und unmutig, »bleib du nur ruhig am Sonntag an deinem Fenster sitzen. Martin und ich finden den Weg allein. Wir brauchen