Ledige Kinder
Ledige Kinder.Erzählung aus dem oberbairischen Gebirg.Von Herman v. Schmid. Der Einödhof zum Kogelbauern, der irgendwo in den oberbaierischen Bergen liegt, führt seinen Namen nicht umsonst. Unmittelbar hinter dem Hause, das sich rückseits an eine breite, steilabfallende Felswand lehnte, als wenn es von derselben Schutz und Sicherheit erwartete, thürmte das Gestein sich zu einem hohen Gipfel empor, der im Munde des Volkes durch eine eigenthümliche Umbildung des Wortes Kegel als Kogel bezeichnet wurde. Das Haus selbst mit seinem doppelten, breiten Laubengang an dem obern, mit der hohen, fest geschlagenen Gräd um das untere Stockwerk lag auf einem grünen Grashange, als wäre es – nach einem Lieblingsausdrucke des Volkes – in eine Krippe hineingestellt. Ueber das kurze, duftige Gras erhoben sich einige schöne Bäume, besonders ein paar stattliche alte Linden, wie sie nach alter Sitte wohl bei keinem einzelnen Bauernhofe fehlen, und um den Anger herum, wie eine Einfassung, standen große hochgewachsene Kirschbäume, deren kleine Früchte sich eben hochroth zu färben begannen. Unter ihnen duckten sich niedrige Zwetschgensträucher; ihr Wuchs und die moosbedeckte Rinde ließ erkennen, daß ihr Standpunkt doch wohl zu hoch und kühl gelegen war, wenn auch der Kogel gleich einem riesigen Schirm die kältesten Windstriche abhalten mochte. Die Umgrenzung des Hofes nach der einen Seite wurde von