Chapter

Vorwort

Vorwort. Liegt ohne Zweifel die einzig mögliche Rechtfertigung der Veröffentlichung einer schriftstellerischen Arbeit in der Nachweisung eines wesentlichen Zeitbedürfnisses, welches durch jene befriediget wird: so hat diese neue Ausgabe der sämmtlichen Werke Stilling’s eine solche Rechtfertigung in hohem Grade für sich. Zwei große, das ganze Leben des Menschen durchdringende Gegensätze sind heut zu Tage hervorgetreten. Sie beziehen sich sowohl auf das Wissen als das Thun, sowohl auf das innere Gebiet des Geistes als auf seine äußere Verwirklichung im Staatsorganismus. In beiden Sphären ist einer Seits eine rein negative, sich von den Banden göttlicher wie menschlicher, religiöser wie politischer Auctorität als solcher lossagende Tendenz, anderer Seits eine rein positive, in der Auctorität der christlichen Religion als auf etwas Unwandelbarem, für die Vernunft des Menschen Unzugänglichem ruhende, und in ihr zugleich die bestehenden Staatsformen als geheiligt anschauende Weltansicht zum Bewußtseyn gekommen. Durch die neuerdings erfolgte Reaction ist nun der Zeitgeist aus seinem in die Außenwelt gehenden, auf die Durchführung der Vernunft im Staate und die Vollbringung der politischen Freiheit gerichteten Streben heraus in seine innere Welt getrieben worden, und er scheint — wie dieß die große Zahl der neuerdings erscheinenden religiösen Schriften beweist — er scheint jetzt daran

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