Die treue Adele
Ja, gleich um die Ecke! Rechts, wenn man hinuntergeht, neben dem Gewürzkrämer, gerade dem Fenster gegenüber, wo die vier nassen Zwilchhosen hängen. In diesem schmalen, finsteren, aschgrauen, verwitterten und verwaschenen Langhause mit den zwei unheimlichen, grinsenden, dottergelben Flecken über dem Tor, unter dem grasgrünen Schild der alten Kuhlemann. Dort, wo die Laterne mit der zerbrochenen Scheibe ist. Es wird immerfort Drehorgel gespielt in dem feuchten, engen, winkeligen Hof mit den vielen Karren und der langen, von dampfender Wäsche belasteten Leine, den ganzen Tag. Ja, da wohnt sie. Wer ihr einmal nachgestiegen ist, weiß es. Das ganze Quartier weiß es. Übrigens: das ist nicht so einfach, ihr nachzusteigen. Jeder Platz ist besetzt in dem Kondukt, von ständigen Abonnenten. Immer: den ganzen langen Weg bis zu dem großen Galanteriegeschäft in der breiten Straße, in dem sie die weichen, mattgelben, schwedischen Handschuhe verkauft und die braunen, fleckigen Rohre mit den dicken, goldenen Kugeln am Ende. Früh und spät: morgens, wenn sie mit hastig zusammengerafften Kleidern, die Hutnadel verbogen, den dahinkeucht; abends, wenn sie mit zierlich glatter Taille, den Ärmel mit weiser Sorgfalt ein wenig zurückgeschlagen, daß sich das Armband zeigt, die runden Wangen leicht mit Puder eingestäubt, den rosigen Schleier kokett auf die kirschige Oberlippe gezogen, mit schweifendem