Laura Wunderl
Als ich ein junger Student im ersten Semester war, sagten die anderen, die schon länger in München lebten, immer, ich müßte den Mädchen nachgehen: das gehörte sich nun einmal. Sogar mein Kolleg-Nachbar, ein ernster Jüngling und Vorsitzender einer wissenschaftlichen Verbindung mit künstlerischen Interessen riet mir zu. Er hatte sich früher auch nicht um das andere Geschlecht gekümmert. Aber da wäre er einmal ins Gärtnerplatz-Theater gegangen: Wie er seinen Mantel in der Garderobe abgab, stand ein Mädchen neben ihm und legte auch ab. Da fragte die Garderobiere: „Bitt' schön, die Sachen gehören zusammen, nicht wahr, da brauch ich bloß eine Nummer zu geben?“ Ach nein, das Fräulein gehörte nicht zu ihm. Und als er dann oben in seine Bankreihe wollte, fragte der Logenschließer verwundert: .Ist der Herr allein?“ — Und da saßen denn auch ringsum lauter Pärchen, man mußte sich schämen allein zu sein. „Na, und dann?“ fragte ich. Ja, jetzt hätte er etwas sehr Nettes gefunden; er nahm seinen Kneifer ab und putzte ihn lächelnd. Auch mein Freund Eduard Wedel, der ein Dichter war und an einer rein philosophischen Doktor-Dissertation arbeitete, ließ mir keine Ruh'. „Du mußt das Münchner Mädel kennen lernen. Wenn du dich nicht beeilst, stirbt es inzwischen aus.“ Er konnte meine „unverantwortliche Lebensträgheit“ schließlich nicht mehr mit ansehen und bestand darauf, mich mit einer kleinen