Chapter

Kapitel 1

Der junge Mann kam schon zum zweitenmal an diesem Abend. Er bat das Mädchen, seine Karte der gnädigen Frau zu bringen und sie zu fragen, ob er auf den Herrn Doktor warten dürfe. Es war eine nicht besonders saubere Karte, auf welcher zu lesen war: Konrad Lanz stud. chem.. Pia Laudin ging gerade über den Korridor. Sie warf einen flüchtigen Blick auf die Karte, einen ebenso flüchtigen auf den armselig gekleideten, etwa vierundzwanzig Jahre alten Menschen, der mit schmutzigen Schuhen, nassen Beinkleidern und nassem Havelock vor ihr stand, und sagte: »Mein Mann wird wahrscheinlich spät nach Hause kommen,« und mit einem mißtrauischen Nebenton: »Wollen Sie ihn als Anwalt sprechen?« »Ja, als Anwalt, gnädige Frau,« war die zögernde, von einem bittenden Ausdruck unterstützte Antwort. »Dann müssen Sie sich in die Kanzlei bemühen. Mein Mann ist tagsüber so anstrengend beschäftigt, daß er am Abend in seinem Hause unmöglich Klienten empfangen kann.« »Gnädige Frau, auch ich,« stotterte der Besucher, »auch ich habe nur die Abendstunden frei. Ich gebe Unterricht . . . ich würde Schüler verlieren . . . es ist eine so dringende Angelegenheit . . . überdies kenne ich Herrn Doktor Laudin von früher her . . . in der Kanzlei würde ich kaum bis zu ihm vordringen . . . und einem der Herren dort meine Sache auseinandersetzen . . . ich habe nur zu Herrn Doktor Laudin Vertrauen. Erlauben Sie mir zu

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