Die erste Begegnung
»Lang, lang ist’s her!« Carl Rocco, 1886 Weit, weit aus ferner Zeit, Aus grüner Jugendwildniß Grüßt mich in Lust und Leid Ein wundersames Bildniß. Denn ob in Kampf und Schmerz Kein Hauch der Jugend bliebe: Nie doch vergißt das Herz Den Traum der ersten Liebe. Emanuel Geibel. Beim Himmel, dieses Kind ist schön! Goethe, Faust. Es ist viele Jahre her, viele Jahre; sie dünken mich Ewigkeiten. Die Zeit hat ihre Schleier über all' das Vergangene gebreitet; aber wenn ich sie in einsamen Stunden hinwegziehe, so strömt mir Veilchenduft des Lebensmaies entgegen, und mir wird wunderbar zu Muthe: rosige Wolken seh ich ziehen im Himmelsblau, und ein Mädchenantlitz schaut mir daraus verklärt entgegen, wie ich niemals wieder eins erblickte. – Es war eine Straße, in welcher der Frühlingssonnenschein so seltsam, so dunkelgolden wie fluthender Rheinwein gebreitet lag. Die Häuser lächelten sich so verklärt und trunken an, der blaue Himmel leuchtete so still und sanft hernieder, und es war ruhig auf der Straße. Nur wenige Menschen gingen durch den Sonnenschein, geleitet vom holdesten Frieden; Schwalben flogen mit raschem Flügelschlage hindurch, und wonnige Mailuft wehte leise. O räthselhaft-selige Empfindung, die du durch mein junges, unverdorbenes Jünglingsherz zogst, als ich langsam dahinging und mit träumenden Augen den Himmelsfrieden in mich einsog, als mein Blick an den Häusern dahinglitt,